Monatsarchiv: September 2008

Finanzmarkt hat Auswirkungen auf uns alle

Wenn ich die hämischen Kommentare über das Scheitern des US-Rettungsplanes lese und zum Teil auch höre, dann stelle ich fest: Volkswirtschaftslehre ist sehr, sehr kompliziert.

Dass es eine Schweinerei ist, dass Spekulanten und Zocker die Bankenwelt erschüttert haben, ist unbestritten. Dass eine bessere, konsequentere Überwachung der Banken und ihrer Investments nötig gewesen wäre, bestreitet auch niemand. Allerdings lässt sich das nicht mehr ändern, es ist Fakt, dass die Bankenkrise die europäische und amerikanische Wirtschaft in die Krisis schickt bzw. längst geschickt hat. Sich über die staatlichen Stützungsmaßnahmen zu erregen, kann ich auch noch nachvollziehen. Allerdings sehe ich leider aus volkswirtschaftlicher Sicht keine wirkliche, glückliche Alternative. Natürlich stimmt volkswirtschaftlich theoretisch die Auffassung der Hardliner, dass es sich um die Selbstreinigung und Selbstheilungskräfte der Märkte handeln würde und wir bei diesem „Gesundungsprozess“ nicht eingreifen sollten. Alles klar, alles logisch, alles im Modell nachvollziehbar. Was dieser „Gesundungsprozess“ allerdings für die Volkswirtschaft und die einzelnen Menschen bedeutet, darüber schweigen diese Herrn und Damen fein. Denn wenn wir nahezu das ganze Bankensystem gegen die Wand fahren, dann bleiben nur einige wenige Banken weltweit übrig und ob dies das erklärte Ziel ist, wage ich anzuzweifeln. Mir als einzelnen kann ja eigentlich egal sein, was diesen Banken passiert und wieviel Geld die Anleger verlieren. Solche oder ähnliche Aussagen höre ich immer wieder an den Stammtischen in Frankreich, Deutschland und Österreich. Natürlich kann mir egal sein, ob mein Nachbar 1.000, 10.000 oder gar 1 Mio Euro verzockt hat. Nur führt diese Art der Wertvernichtung zu mehr Inflation, noch höheren Preisen, sinkendem Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitslosen und letztlich zu mehr Ängsten, Sorgen und Nöten. Da der Wirtschaft auch immer ein gehöriges Stück Psychologie implizit ist, sollten wir nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen. Denn was hilft mir ein Einlaesicherungsfond, wenn es keine Bank und keinen Staat mehr gibt, der das nötige Geld hat, mir das auszuzahlen und wenn mir mein Geld ausgezahlt wird, die Inflation viel davon weg nimmt.

Der Staat hat gar keine andere Möglichkeit, als mit Stützungskäufen und Geldspritzen das Banken- und Finanzsystem zu stabilisieren. Auch dies heitzt die Inflation an, allerdings immer noch besser als ein Totalkollaps. Schade ist natürlich, dass die Steuerzahlerin und der Steuerzahler dafür aufkommen müssen, obwohl diese vielen hundert Milliarden sicherlich anders dirngend gebraucht würden. Wer heute noch meint, dass kein Steuer-Euro in diese Banken fließen sollte, der muss damit rechnen, dass er morgen erhebliche Probleme mit der Inflation bekommen wird und sein Lebensunterhalt fast nicht mehr zu bestreiten sein wird. Die großen Gewinner werden auch in diesem Fall diejenigen sein, die ihr Geld in Sachwerten gelagert haben. Also, die Reichen werden wieder reicher und die Armen leider näch viel schneller ärmer als ihnen lieb sein wird. Dies ist nach meiner Meinung einer der Gründe, warum gerade 2/3 der Republikaner gestern gegen das Rettungspaket gestimmt haben, denn die Lobby der Superreichen ist dort sehr stark vertreten.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines, Deutschland, Europa, USA, Wirtschaftspolitik

Strache macht den Schröder

HC Strache - FPÖ

HC Strache Quelle: http://www.hcstrache.at

Die Elefantenrunde im ORF erinnerte ich mich doch glatt an die letzte Bundestagswahl in Deutschland. Da machte Gerhard Schröder einen auf Wahlgewinner, obwohl er nur 2ter wurde. Gestern machte der im Siegestaumel befindliche HC Strache genau das gleiche. Er erzählte untentwegt, er habe die Wahl gewonnen. Er machte uns in einer ähnlich testosterongeschwängerten Art den Wahlsieger. Hoffentlich flüchtet er nicht auch zu Gazprom, wenn er merkt, dass er doch nicht der Wahlsieger ist. Die gegelten Haare würde ja schon mal seinen Hang zum Öl und zur Schmiere signalisieren. Wenn Gazprom ihn doch nicht will, vielleicht ist ja bei Stronach noch ein Platz für ein Alphatier der Politik.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Österreich, Wahlkampf

CSU – Hochrechnung bestätigt Debakel

Die Welt in Bayern ist heute nicht mehr dieselbe wie noch gestern. Die CSU verliert mehr als 17 % gegenüber der Wahl 2003. Dies ist eine Katastrophe für die CSU und ihrer Doppelspitze Huber, Beckstein. Auch die SPD hat keinen Grund zur Freude, auch sie hat fast 1% verloren. Die SPD bleibt in Bayern ein absolutes Minderheitenprogramm. Die Freien Wähler, um die Spitzenkandidatin und CSU-Abtrünnige Gabriele Pauli, gewinnen 6,4% und erreichen 10,2%.

Der CDU-General Pofalla hat noch frohlockt, dass die Linkspartei mit 4,7 % wahrscheinlich nicht in den Landtag kommt und dass eine komfortable, konservative Mehrheit von CSU und Freie Wähler möglich wäre. Ob Beckstein mit Pauli allerdings in einer Regierung sitzen wird, bleibt eher fraglich. Denn wer mehr als 17% an Stimmen verliert, der wird wohl personelle Konsequenzen ziehen müssen. Die SPD muss in Bayern irgendwann auch mal aus dem Tief herauskommen. Wenn man allerdings die nahezu 5 % der Linken zu den SPD-Stimmen dazurechnen würde, dann hätte das linke Parteienspektrum zumindest 24% in Bayern erreicht. Allerdings zeigt diese Wahl eindeutig, dass Bayern, mit mehr als 53% konservativer Wähler, ein strukturkonservatives Land ist und wahrscheinlich auch noch einige Jahre bleibt. Es ist allerdings trotzdem ein Meilenstein in Bayerns Geschichte, dass nach 46 Jahren Alleinherschaft der CSU wieder eine Koalition regieren wird. Denn eines ist klar: ein 46-jähriges Einparteien-System ist mit meinem Demokratieverständnis nicht vereinbar. Wie einst in Hessen oder Nordrheinwestfalen wird nun das letzte Einparteienbundesland eine neue Regierung bekommen. Die alten Zöpfe werden zumindest gestutzt und der Klüngel wird ausgedünnt. Es bleibt zu hoffen, dass es in Bayern eine Veränderung der Regierungspolitik und der Regionalpolitik gibt. Bayern ist in der Demokratie angekommen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines

CSU bei 43 % – Bayern wird zu einer Demokratie

Erste Prognose erfüllt die schlimmsten Befürchtungen der CSU. Minus 18% für die CSU ist der ultimative Albtraum für die Christsozialen in Bayern. Die Freien Wähler mit Frau Pauli schaffen es nach der Prognose mit 10,5% zur drittstärksten Partei. In Bayern ist endlich die Demokratie angekommen. Denn ohne Koalition geht nichts. Die CSU muss das erste Mal seit 1962 die absolute Mehrheit abgeben. Die SPD schafft es mit 19% auch nicht, ihrem „Splitterpartei“-Status zu entwachsen. Bayern bleibt also auch mit den Freien Wählern eher konservativ.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines, Politiker, Wahlkampf

Sieg der Rechtspopulisten in Österreich

Die ersten Hochrechnungen in Österreich zeigen, dass die Politik der Großen Koalition und die Vorgehensweise von Molterer keine neue Machtverteilung ermöglicht hat. Die Überraschung ist sicherlich das Abschneiden von Jörg Haider und seiner BZÖ. Die FPÖ und ihre Abspaltung BZÖ oder auch umgekehrt sind zusammen die stärkste Fraktion (29,7% Stand 17:39). Die Rechtspopulisten Strache und Haider haben die Wahlen eindeutig gewonnen. Haider war immer das Ausweichprogramm für Protestwähler und hat auch bei dieser Wahl gezeigt, dass er den Protest in Wählerstimmen ummünzen kann.

Die Große Koalition ist denkbar und dies wahrscheinlich in der Faymann’schen Lieblingskonstellation, denn Molterers Strategie ging gehörig in die Hosen. Jeder liebt den Verrat, aber niemand den Verräter. Der SPÖ gelang es, die Meinungsführerschaft zu übernehmen und Werner Faymann als die bessere Alternative zu präsentieren. Es geht sich aber auch eine 3er Koalition mit BZÖ und FPÖ aus. Es bleibt für die nächsten Wochen spannend.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Österreich, Wahlkampf

Die Zeit der Populisten

An den Börsen rund um den Globus haben sich Dramen abgespielt. Abgezockte Börsenprofis sprachen von der schlimmsten Zeit in ihrer langjährigen Börsenkarriere. “Die Weltwirtschaft hat in den Abgrund geblickt”, war nur eine Schlagzeile in den letzten Tagen, die die Dimension der Krise deutlich gemacht haben.

In solchen Zeiten geht es nicht um differnzierte Analysen und schon am aller wenigsten um rationale Beurteilung von Sachverhalten. Die amerikanische Regierung weiß sich nicht anders zu helfen, als in bester Stamokap-Manier(Stamokap=Staastsmonopolistischer Kapitalismus) die Banken zu verstaatlichen bzw. unter staatliche Kontrolle zu bringen. Mehr als 700 Milliarden Dollar kostet das die Steuerzahler in den USA und über die angeheizte Weltwirtschaft und die zu erwartende Inflation die  Volkswirtschaften weltweit wahrscheinlich deutlich mehr.

Leider ist der Mensch beileibe nicht das rationale Wesen, als welches er in der Staats- und Wirtschaftslehre dargestellt wird und wurde. Der Mensch ist hauptsächlich von seinen Emotionen gesteuert – schlecht für die Demokratie – gut für die Populisten. Denn Angst und Verunsicherung haben häufig eines zur Folge: Den Ruf nach dem starken Staat bzw. der starken Frau oder dem starken Mann, der oder dem es gelingt, komplexe Sachverhalte in eine 30-Sekunden-Botschaft zu verpacken. Es ist natürlich viel leichter, die Ungerechtigkeit zu geißeln und darauf hinzuweisen, dass die Milliardenverluste der Landesbanken, IKB oder KfW für 10 Jahre alle Krippenplätze gesichert und die Studiengebühren für 100 Jahre überflüssig gemacht hätten und überhaupt: hätte, wäre, wenn. Hört sich alles wunderbar an. Natürlich ist eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte seit Jahren überfällig, natürlich ist es nicht gerecht, dass die Zocker ohne persönliche Haftung davon kommen.

Eines stimmt aber auch; die Probleme in Europa wären nur marginal kleiner ohne Finanzmarkt- und Börsencrash. Es bleibt die Tatsache, dass wir vom Öl abhängig sind. Es bleibt die Tatsache, dass in Europa die Menschen immer älter werden und immer weniger junge Menschen die Lasten der Altersversorgung tragen müssen. Es bleibt die Tatsache, dass die Weltmacht Amerika an Einfluss verliert. Es bleibt die Tatsache, dass China und Indien einen immensen Nachholbedarf und damit auch einen wahnsinnigen Energie- und Rohstoffbedarf haben. Es bleibt die Tatsache, dass die geopolitische Lage immer neue Krisen hervorruft. Es bleibt die Tatsache, dass wir Europa vorwärts bringen müssen, um den Einfluss auf die Weltwirtschaft und auf die Weltpolitik nicht gänzlich zu verlieren.

Auf diese Fragen haben die Damen und Herren Populisten meist keine Antwort. Politik ist leider keine Aufgabe für die kleine Mathematik. Es gibt keine Regel nach dem Motto: 1+1= immer und unter allen Umständen 2. Die Populisten haben bis dato in der Politik langfristig nie etwas geleistet. Sie haben in der Regel den Menschen nach dem Mund geredet und die Verantwortung gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Es ist nicht alles gut und schon gar nicht richtig, was unsere Politikerinnen und Politiker im Moment und in der Vergangenheit getan und beschlossen haben. Allerdings sind die wenigsten Kritikerinnen und Kritiker auch bereit, politische Verantwortung zu übernehmen und sich durch die Regeln und „Gepflogenheiten“ unsere Parteiendemokratie zu kämpfen. Das Gelingen der Demokratie setzt engagierte und verantwortungsbewusste Menschen voraus. Die Psychologie lehrt uns allerdings, dass diese Spezies nicht orginär humanoid ist. Also werden wir weiter mit den Populisten leben müssen, solange diese keinen nennenswerten Einfluss haben, ist dies auch kein Thema. Wenn diese allerdings wie in Österreich die Rechtspopulistische FPÖ oder in Deutschland die linkspopulistische Linke um Oskar Lafontaine das Zünglein an der Waage werden, dann ist zumindest eine verstärkte Aufmerksamkeit gefragt. Die Finanzmarktkrise ist nur eine weitere, schöne und auch nachvollziehbare Möglichkeit für die Populisten, sich Wählerstimmen zu erarbeiten.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Außenpolitik, Österreich, Deutschland, EU, Europa, Politiker, Sozialpolitik, USA, Wirtschaftspolitik

Der Bürgermeister von Graz als Puppenspieler

Politik soll nicht nur bierernst sein, deshalb hab ich meiner Spontanität mal freien Lauf gelassen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Österreich, Wahlkampf