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Frankreich drohen Massenstreiks

Wie ich heute im Le Figaro gelesen habe, droht Frankreich für diese Woche ein Massenstreik. 8 Gewerkschaften haben sich zu diesem Zweck zusammen getan. Bestreikt wird der gesamte öffentliche Nah- und Fernverkehr, die Post, verschieden Banken, Schulen und Universitäten.

CGT-Gewerkschaftsführer Bernard Thibault erwartet eine „spektakuläre Beteiligung“ an dem Streik am kommenden Donnerstag. „Alle Gewerkschaftsverbände rufen auch in Unternehmen, die solche Appelle nie gekannt haben, zum Streik auf“, sagte der CGT-Chef am Montag im Radiosender „France Inter“ und fügte hinzu: „Die Beteiligung der Arbeitnehmer an diesem Protesttag wird beeindruckend sein, weit jenseits von dem, was man in den letzten Jahren gesehen hat.“

Aufschrei des Zorns

Einen „Aufschrei des Zorns“ vonseiten der Lohnempfänger, erwartet der CFDT-Chef François Chereque. „Es besteht eine wirkliche Notwendigkeit für die Arbeitnehmer, klar zu sagen, dass es ungerecht ist, dass sie mit ihren Löhnen, ihren Arbeitsplätzen, ihren erworbenen Rechten die Konsequenzen einer Krise zahlen müssen, für die sie nicht verantwortlich sind“, sagte Chereque im Hörfunk BFM.

Der Élysée-Palast spricht davon, dass die Menschen in solchen Aktionen ihren „Dampf“ ablassen und will sich davon nicht weiter beeindrucken lassen. „Die Sozialisten, die den Streikaufruf unterstützen, spielten mit dem Feuer“, so der Budgetminister Woerth in einem Interview mit dem Sender „Radio J“. Er habe die Befürchtung, dass die Sozialisten gegen das Land arbeiten würden, um so wieder an die Macht zu kommen, was er persönlich nicht so recht verstehen könne. Auch zeigt er sich besorgt über eine mögliche Radikalisierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. „Die Krise schafft viele Befürchtungen und manchmal brutale Reaktionen“, so Woerth.

Die Bevölkerung unterstützt nach Umfragen die Ideen und Ziele der Sozialbewegung mit großer Mehrheit. ( zu 70 % laut CSA-Umfrage und sogar zu 75 % laut IFOP-Umfrage) Das dies nicht der letzte Streiktag sein wird, davon kann man ausgehen, hat doch die Protestbewegung für den 2. Februar einen erneuten Aktionstag schon ins Auge gefasst. Viele politische Beobachter sehen in den Streiks auch eine Rache an der arroganten Politik von Nicolas Sarkozy. Der französische Staatspräsident arbeitet in den letzten Wochen und Monaten mit einer Grandezza daran, die negativen Zustimmungswerte eines Georg W. Bush noch zu überbieten. Erst in der letzten Woche gab es einen Riesenprotest im Parlament, weil Sarkozy die Möglichkeit schaffen wollte, auch ohne Debatte Gesetzentwürfe zur Abstimmung zu stellen. Die Sozialisten sangen aus Protest die Marseillaise und verließen unter Demokratie! Demokratie! Rufen das Parlament.

Die Forderungen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise in Stichpunkten:

  • Beschäftigungsprogramm initiieren und umsetzen
  • Steuererleichterungen bzw. Abgabenkürzung bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
  • Rücknahme der Kürzung von 30.000 Stellen im öffentlichen Dienst
  • Steigerung der Kaufkraft durch moderate Lohnerhöhungen
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Finanzmarkt hat Auswirkungen auf uns alle

Wenn ich die hämischen Kommentare über das Scheitern des US-Rettungsplanes lese und zum Teil auch höre, dann stelle ich fest: Volkswirtschaftslehre ist sehr, sehr kompliziert.

Dass es eine Schweinerei ist, dass Spekulanten und Zocker die Bankenwelt erschüttert haben, ist unbestritten. Dass eine bessere, konsequentere Überwachung der Banken und ihrer Investments nötig gewesen wäre, bestreitet auch niemand. Allerdings lässt sich das nicht mehr ändern, es ist Fakt, dass die Bankenkrise die europäische und amerikanische Wirtschaft in die Krisis schickt bzw. längst geschickt hat. Sich über die staatlichen Stützungsmaßnahmen zu erregen, kann ich auch noch nachvollziehen. Allerdings sehe ich leider aus volkswirtschaftlicher Sicht keine wirkliche, glückliche Alternative. Natürlich stimmt volkswirtschaftlich theoretisch die Auffassung der Hardliner, dass es sich um die Selbstreinigung und Selbstheilungskräfte der Märkte handeln würde und wir bei diesem „Gesundungsprozess“ nicht eingreifen sollten. Alles klar, alles logisch, alles im Modell nachvollziehbar. Was dieser „Gesundungsprozess“ allerdings für die Volkswirtschaft und die einzelnen Menschen bedeutet, darüber schweigen diese Herrn und Damen fein. Denn wenn wir nahezu das ganze Bankensystem gegen die Wand fahren, dann bleiben nur einige wenige Banken weltweit übrig und ob dies das erklärte Ziel ist, wage ich anzuzweifeln. Mir als einzelnen kann ja eigentlich egal sein, was diesen Banken passiert und wieviel Geld die Anleger verlieren. Solche oder ähnliche Aussagen höre ich immer wieder an den Stammtischen in Frankreich, Deutschland und Österreich. Natürlich kann mir egal sein, ob mein Nachbar 1.000, 10.000 oder gar 1 Mio Euro verzockt hat. Nur führt diese Art der Wertvernichtung zu mehr Inflation, noch höheren Preisen, sinkendem Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitslosen und letztlich zu mehr Ängsten, Sorgen und Nöten. Da der Wirtschaft auch immer ein gehöriges Stück Psychologie implizit ist, sollten wir nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen. Denn was hilft mir ein Einlaesicherungsfond, wenn es keine Bank und keinen Staat mehr gibt, der das nötige Geld hat, mir das auszuzahlen und wenn mir mein Geld ausgezahlt wird, die Inflation viel davon weg nimmt.

Der Staat hat gar keine andere Möglichkeit, als mit Stützungskäufen und Geldspritzen das Banken- und Finanzsystem zu stabilisieren. Auch dies heitzt die Inflation an, allerdings immer noch besser als ein Totalkollaps. Schade ist natürlich, dass die Steuerzahlerin und der Steuerzahler dafür aufkommen müssen, obwohl diese vielen hundert Milliarden sicherlich anders dirngend gebraucht würden. Wer heute noch meint, dass kein Steuer-Euro in diese Banken fließen sollte, der muss damit rechnen, dass er morgen erhebliche Probleme mit der Inflation bekommen wird und sein Lebensunterhalt fast nicht mehr zu bestreiten sein wird. Die großen Gewinner werden auch in diesem Fall diejenigen sein, die ihr Geld in Sachwerten gelagert haben. Also, die Reichen werden wieder reicher und die Armen leider näch viel schneller ärmer als ihnen lieb sein wird. Dies ist nach meiner Meinung einer der Gründe, warum gerade 2/3 der Republikaner gestern gegen das Rettungspaket gestimmt haben, denn die Lobby der Superreichen ist dort sehr stark vertreten.

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